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Ausgabe vom Samstag,
25. Januar 2003
«Bauch ist Nebensache: Eine
orientalische Seele brauchts»
Silvia Büelers zierlicher Körper ist ganz
in goldbesticktes Rot gehüllt. Ihr Tanz zu den geheimnisvollen Klängen
orientalischer Musik wirkt wie ein verführerisches, leichtes Spiel.
Dabei ist der klassische orientalische Tanz «Raqs Sharqi» alles andere
als einfach zu lernen: Dies erfordert grosse Körperbeherrschung,
Beweglichkeit und viel rhythmisches Flair. «Oft denken die Menschen beim
Stichwort orientalischer Tanz zuerst einmal an Anmache und wackelnde
Hintern», weiss Silvia Büeler aus Erfahrung. In Wirklichkeit geht es
dabei um eine traditionelle Tanzform, die aus dem vorderen Orient stammt
und in allen arabischen Kulturgemeinschaften praktiziert wird.
Hüfte statt Bauch
Der klassische «Raqs Sharqi» (Tanz des
Ostens) wird im Westen landläufig als «Bauchtanz» bezeichnet - in den
Ohren der Orientalen eine beleidigende Umschreibung, die noch nicht mal
den Kern der Sache treffe: «Nicht der Bauch, sondern die Hüfte ist im
Zentrum aller Bewegungsabläufe dieses Tanzes», erklärt Büeler. Es
passierte in Istanbul Orientalische Tänzerin war Büeler nicht immer:
Erst als sie in Istanbul zum ersten Mal einer echten orientalischen
Tanzdarbietung beiwohnte, war es um sie geschehen. Die damals 20-jährige
Luzernerin arbeitete als Hostess auf einem Kreuzfahrtschiff der
griechischen Reederei Epirotici, welches regelmässig in Istanbul vor
Anker ging. Während die anderen Hostessen sich auf einen freien Abend an
Land freuten, meldete sich Silvia Büeler jeweils freiwillig, um die
Schiffsgäste an die orientalische Tanzshow zu begleiten. «Diese
Faszination hat mich nicht mehr losgelassen, das war mein Tanz»,
erinnert sie sich.
In Zürich gelernt
Zurück daheim, musste sie feststellen,
dass es Anfang der Neunziger gar nicht so leicht war, in der Schweiz
eine orientalische Tanzschule ausfindig zu machen. In Zürich wurde sie
schliesslich fündig: Der ägyptische Tänzer Khaled Seif führte sie in die
Kunst des orientalischen Tanzes ein. Im Februar 2000 schloss sie bei ihm
die Ausbildung zur Tanzpädagogin erfolgreich ab. Es folgten verschiedene
Weiterbildungskurse bei den bekannten ägyptischen Choreografen Hassan
Affifi, Mahmoud Reda und berühmten Tänzern wie Gamal Seif, Mo Geddawi
oder Magdy El-Leisy.
Das Tanzen im Blut
«Inzwischen gibt es in der Schweiz
mehr orientalische Tanzschulen als in Ägypten», so Silvia Büeler. Die
Mehrheit der arabischen Frauen hielten eine Tanzausbildung für absolut
überflüssig: Sie haben das Tanzen ganz einfach im Blut.
Ein westliches Gemüt wie das von Silvia Büeler dürfte sich etwas
schwerer getan haben, sich sozusagen aus dem Bauch heraus wie eine
leichtfüssige Gazelle zu bewegen. Silvia Büeler winkt lachend ab. «Ich
habe eine orientalische Seele, das war mir von Anfang an vertrauter als
der Schacher Seppeli.» Dieser Tanz erlaube es wie kein anderer,
sämtliche Gefühle auszudrücken: das ganze Innenleben nach aussen zu
kehren. Die orientalische Tänzerin müsse in der Lage sein, jeden
Körperteil einzeln zu bewegen. Bei westlichen Tänzen werde der Körper
eher steif als Ganzes bewegt. Damit sei auch eine andere Lebenshaltung
verbunden. «In der orientalischen Kultur darf und soll das Temperament
zum Ausdruck gebracht werden.»
Tanzen verbindet
Die Sprache des Tanzes, so ist Silvia
Büeler überzeugt, ist Menschen von allen Kulturen, Religionen und
Mentalitäten gleichermassen zugänglich. Seit vielen Jahren tritt sie in
Hotels oder Restaurants, bei Firmenessen, Hochzeiten oder Geburtstagen
auf. Heute gastiert sie mit ihrer «Orientalischen Tanznacht» in Emmen.
Dazu unterrichtet die Tanzpädagogin Anfängerinnen bis Fortgeschrittene
und bietet sogar spezielle Kurse für Damen über 40 an. Der orientalische
Tanz eigne sich für jeden Typ, unabhängig von Alter und Figur. Über den
Tanz werde auch das Interesse an der arabischen Kultur geweckt und
Ängste abgebaut, erklärt die zierliche junge Frau ernst. Und so trage
der Tanz in diesen Zeiten womöglich sein Scherflein zu einer
friedlicheren Welt bei.
TRIX CACCHIONE
Orientalische Tanznacht: Heute im
Gersag-Chäller, Emmenbrücke; 20.15 Uhr; Silvia Büeler tanzt mit
Schülerinnen, anschliessend Tanz für alle mit Live-Musik.
Kontakt und Informationen unter
www.orientalischer-tanz.ch |